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Artikel von:
Paul Rajakovics
Christine Hohenbüchler 
Irene Hohenbüchler 
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Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien.

Christine Hohenbüchler ist Professorin für Zeichnen und Visuelle Sprachen an der Architekturfakultät der TU Wien

Irene Hohenbüchler lehrt an der Kunstakademie in Münster.

Artikel aus Ausgabe 44


dérive - Radio für Stadtforschung
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… Zyklame, Leber und Dazwischen

Man beginnt zu lesen: Zyklame, Cocablätter, Artischocken ... und schon beginnt eine lange Assoziationskette von Begriffen zu arbeiten. Nicht nur jene des augenblicklichen Rezipierens des vorliegenden Textes, sondern es folgt ganz unwillkürlich auch das Mäandrieren der eigenen Assoziationen und Gedanken. Der Text setzt sich großteils aus zahlreichen Zitaten zusammen. Diese werden von Fotografien begleitet, die vorwiegend Innenräume des Schmela-Hauses zeigen. Die Zitate beginnen mit dem Verweis der Seitenzahl ohne Referenz auf Buchtitel oder AutorIn. Die Fotos zeigen auf den Seiten 3 und 4 immer deutlicher Handlungen im Innenraum: künstlerische Handlung als performative Manufaktur.
Erst am Ende des Textes wird klar, dass die Textfragmente von Peter Sloterdijk, Sigmund Freud, Aldo van Eyck und Joseph Beuys stammen. Letztere sind auch Bindeglied zu den Bildern bzw. zur Verortung des Projektes. Die Arbeit steht im Zusammenhang zu der noch laufenden Ausstellung Aufruf zur Alternative im Schmela-Haus in Düsseldorf, einer der wichtigsten Galerien von Joseph Beuys. Aldo van Eyck hatte hinter dem Kunstverein 1967 ein eigenes Gebäude für den Galeristen Schmela geplant, wo der Stadtraum in neuartiger Form mit dem Innenraum verwoben wurde.
Für die beiden Künstlerinnen ist aber das Wirken bzw. der inhaltliche Konnex zu der Arbeit von Joseph Beuys eine wesentliche Referenz ihrer eigenen Arbeit, die von Beginn an von einer konsequent verfolgten eigenen Interpretation von Partizipation und dem anthropologischen Begriff der Plastik von Joseph Beuys begleitet war. Irene und Christine Hohenbüchler sind seit 1990 gemeinsam künstlerisch tätig und sehen ihre Arbeit in einer multiplen Autorenschaft, die durch die einander kreuzenden Handlungsfelder mit (teils extra eingeladenen gesellschaftlich marginalisierten) Besucher- und TeilnehmerInnen erweitert wird. Viele erinnern sich in diesem Zusammenhang vielleicht noch an ihren Beitrag zur Documenta X 1997. Kommissär Peter Weibel lud sie dann 1999 zur Biennale nach Venedig ein. Sie bauten dort ein Mutter-Kind-Haus, welches nach der Biennale für den tatsächlichen Aufbau innerhalb eines SOS-Kinderdorfes im Kosovo konzipiert war. Mich hat zuletzt ihr Beitrag zur Ausstellung (re)desining nature im Künstlerhaus Wien (kuratiert von Susanne Witzgall, Florian Matzner und Iris Meder) begeistert, wo ihr subtil poetischer Umgang mit Farbe, Material und Form sehr deutlich spürbar war. Diese Ausstellung ist zurzeit in der städtischen Galerie Bremen zu sehen. Christine Hohenbüchler ist Professorin für Zeichnen und Visuelle Sprachen an der Architekturfakultät der TU Wien. Irene Hohenbüchler war Gastprofessorin an der Akademie für Bildende Künste in Wien und lehrt derzeit an der Kunstakademie in Münster. Die Arbeit Aufruf zur Alternative von Christine und Irene Hohenbüchler ist noch noch bis zum 17. Juli 2011 im Haus Schmela der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen.