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Artikel von:
Julia Gill

Julia Gill hat Architektur in Venedig und Braunschweig studiert. Sie ist selbstständige Architektin, Architekturwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Braunschweig, wo sie bei Karin Wilhelm und Thomas Sieverts promoviert wurde. Ihre Dissertation erschien unter dem Titel. Individualisierung als Standard. Über das Unbehagen an der Fertighausarchitektur im transcript-Verlag. www.juliagill.de

Artikel aus Ausgabe 47


dérive - Radio für Stadtforschung
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urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
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Traumhauskataloge. What happened to the dream of the factory-made house?

Eine ganze Architektengeneration träumte vom factory-made house ((1)), vom Haus aus der Fabrik. Im Serienbau sollte sich schnelle und preisgünstige Fertigung mit hohen gestalterischen Standards verbinden, damit qualitätvoller Wohnraum im Eigentum jedermann zugänglich, also normal werde. Doch stattdessen wurde das Fertighaus((2)) in mehrfacher Hinsicht ex-zentrisch. Zunächst steht es, in unmittelbar räumlichem Sinne, in der Regel außerhalb der Zentren unserer Städte und trägt – als Produkt und Motor der Suburbanisierung – dazu bei, dass Baugebiete in immer größerer Entfernung zu Stadt- oder Subzentren ausgewiesen werden. Zum anderen spiegelt sich im Begriffspaar der ex-zentrischen Normalität die Dialektik von Individualisierung und Standard, in der sich der kommerzielle Eigenheimbau in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Die Gestaltungsspielräume, die sich dem Kunden/der Kundin heute durch die Potenziale der Mass Customization eröffnen, ermöglichen und erfordern eine jeweils individuelle, jedoch meist auf repräsentative Standards bezogene (Fassaden-)Gestaltung der Gebäude. Auf diese Weise oft exzentrisch anmutend, hat das Fertighaus heute keinen Platz mehr im Zentrum des Architektur- und Kulturdiskurses, dafür in Publikumszeitschriften, Traumhauskatalogen und Einrichtungsmagazinen.
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