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Artikel von:
Barbara Holub
Paul Rajakovics 
Ernst Logar 
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Barbar Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst. (www.transparadiso.com)

Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien.

Artikel aus Ausgabe 48


dérive - Radio für Stadtforschung
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Ernst Logar: Erinnerungen an die Zukunft

Die Suche nach der Geschichte des eigenen Großvaters als Partisan, dessen Ermordung und das damit verbundene Thema der Verfolgung von Kärntner SlowenInnen im NS-Regime sind wesentlicher Ausgangspunkt der konsequenten Arbeit von Ernst Logar. Schon lange vor Erscheinen seines Buches Das Ende der Erinnerung – Kärntner Partisanen verfolgte die Arbeit des Künstlers die Methode, sich zwischen Spurensuche, akribischer Dokumentation und künstlerischer Kontextualisierung zu positionieren. Es ist eine Erinnerungsarbeit, in die Ernst Logar schon längst auch die Gegenwart wieder miteinbezogen hat, wie es in seinem kürzlich erschienenen Buch Invisible Oil dokumentiert ist. Von der Ölförderung bis zum Plastikabfall zeigt Logar die Verdrängung der Auswirkungen dieser Industrie auf unser kollektives kulturelles Bewusstsein in Form seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Das von Olaf Osten gestaltete Buch wurde beim Wettbewerb Schönste Bücher Österreichs mit einer Auszeichung prämiert und erhielt den Red Dot Award für communication design.


Für das KünstlerInneninsert in dérive hat Ernst Logar auf ganz aktuelle Arbeiten Bezug genommen: Auf der ersten Seite des Inserts sieht man eine 2012 in Marokko entstandene Fotoarbeit. Das in arabischer Schrift mit Steinen geschriebene Wort bedeutet „Europa“. Die Doppelseite zeigt ein Foto der spanischen Stadt Ceuta, die auf dem afrikanischen Kontinent, direkt an der marokkanischen Grenze, liegt. Dieser Ort ist für viele AraberInnen und AfrikanerInnen das Tor zu Europa. Ein kontroversieller Ort, der subtil Geschichten vieler Menschen erzählt, die in Ernst Logars Arbeit eine konkrete Rolle spielen könnten. In diesem Sinne zeigt die letzte Seite einen Schlagstock aus geschreddertem Geld, Klebstoff und Stahl. Diese Arbeit stammt aus der Serie Monetary Intervention in Public Space und steht für die für viele EmigrantInnen in mehrfacher Weise „unerfreulicher Erwartung“ als Abschluss dieses Inserts.


Das Rechercheprojekt Marokko wird in der Ausstellung BORDERLINE Anfang Oktober im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres am Marktplatz in Maribor zu sehen sein. Es thema-tisiert die physische Grenzüberschreitung und den Warenaustausch zwischen Nordafrika und Europa und nimmt auf Fragen der Ökonomie und Migration Bezug. Noch bis zum 9. Juli sind Arbeiten aus Das Ende der Erinnerung – Kärntner Partisanen in der von Hemma Schutz kuratierten Ausstellung Wie zusammen leben? im Salzburger Künstlerhaus zu sehen. Teile von Invisible Oil werden im Herbst in der Ausstellung Beneath a Petroliferous Moon in der Mendel Art Gallery in Saskatoon (Kanada) präsentiert.