|  dérive 67  |  News  |  Verkauf  |  Links  |  Impressum  |  Backlist  |  Autoren  | Ausgabe |
Artikel von:
Daniel Winkler

Daniel Winkler hat in Aix-en-Provence, Paris und Wien studiert und ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck. Buchpublikationen zur Stadtforschung: (2007) (Mithrsg.) Montréal – Toronto. Stadtkultur und Migration in Literatur, Film und Musik. Berlin: Weidler; (2013) (Hrsg.) Marseille und die Provence. Eine literarische Einladung. Berlin: Wagenbach; (2013) Marseille! Eine Mittelmeermetropole im filmischen Blick. Marburg: Schüren 2013 Website: http://www.uibk.ac.at/romanistik/personal/winkler.

Artikel aus Ausgabe 52


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
www.urbanize.at

Newsletter bestellen
http://eepurl.com/fmHIo

Glanz und Elend des Status ‚Europäische Kulturhauptstadt’

Kulturpolitik, Gentrifizierung und Segregation in Marseille-Provence 2013

Nach Paris 1989, Avignon 1999 und Lille 2003 ist Marseille die vierte französische Kultur(haupt)stadt. Sie unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den vorherigen Nominierungen.
Denn die phokäische Stadt, wie Marseille aufgrund seiner überlieferten Gründung ca. 600 vor Christus durch Handels­­leute aus Phokaia (heute Foça bei Izmir) genannt wird, ist die älteste und untypischste französische Metropole. Sie hat einen traditionell schlechten Ruf und ist durch ihre Lage am Mittelmeer mit größeren mediterranen Kulturhauptstädten wie Athen (1985), Thessaloniki (1997), Genua (2004) und Istanbul (2010) in mancher Hinsicht näher verwandt. Dies ist wohl auch einer der Gründe, warum 2013 nicht die Metropole allein, sondern Marseille-Provence Kulturhauptstadt ist. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, ist Marseille mit 850.600 EinwohnerInnen doch die zweitgrößte Stadt des Landes – der Großraum Marseille-Aix-en-Provence steht mit über 1,7 Millionen nach dem von Paris und Lyon an dritter Stelle. 2 Zudem war Avignon, das gerade außerhalb der gewählten Kulturhauptstadtzone liegt, schon dran. Doch die Einbettung Marseilles in sein Umland, das in etwa dem Département Bouches-du-Rhône entspricht, hat ohne Zweifel die strategische Durchsetzungskraft des Projektes im Rahmen des kompetitiv ausgeschriebenen Kulturhauptstadtstatus’ ausgemacht. (...)