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Artikel von:
Manfred Russo

Manfred Russo ist Kultursoziologe und Sozialforscher, lehrt an der Universität Wien und ist Professor an der Bauhaus Universität Weimar.

Artikel aus Ausgabe 52


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Postmoderne VI: Vorboten der Postmoderne

Michel Foucaults „Andere Räume“

Die Geschichte des berühmten Textes Andere Räume beginnt mit einem Manuskript für einen Radiovortrag am 7. Dezember 1966 auf France-Culture, das sofort das Interesse der Architekturschaffenden weckte, aber nur in einer französischen Architekturzeitschrift 1984, fast zwanzig Jahre später, publiziert wurde, ehe es in einer gesetzteren Fassung, die Michel Foucault 1967 erstellte, in seinem Gesamtwerk 1994 knapp vor seinem Tode Aufnahme fand (Foucault 2005, S. 70). Mittlerweile ist diese Variante des Textes weit verbreitet und vielfach abgedruckt worden. Erst durch die Herausgabe des ersten Vortrages konnte man große Unterschiede zwischen den Varianten entdecken. Insbesondere die theoretische Einleitung mit der Einführung der Spiegelmetapher gibt es im Radiovortrag noch nicht, wenngleich Foucault lebhaft sein Interesse an einer Wissenschaft, die sich mit den »mythischen oder realen Negationen des Raumes, in dem wir leben« auseinandersetzt, ausdrückt (Foucault 2005, S. 11). Der Einfluss des Begriffes der Heterotopie auf das Denken der Postmoderne wird evident, wenn man daran denkt,
dass an der University of California ein Lehrstuhl für Heterotopologie vom amerikanischen Geografen Edward Soja eingerichtet wurde. Soja sieht Foucaults Heterotopien als wunderbare Inkunabel eines Aufenthaltes im »Thirdspace«, wenngleich er mit Berechtigung einräumt, dass sie zugleich »frustrierend unvollständig, inkonsistent und inkohärent« seien (Soja 2009,
S. 162). Er betont vor allem, wie sehr die alternative Vergegenwärtigung des Raumes durch die Konzepte Foucaults und Lefebvres alle konventionellen Arten des räumlichen Denkens herausforderte (Soja 2009, S. 163) und die Basis für eine neue kritische Sicht räumlicher Sachverhalte bildete. (...)