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Artikel von:
Martin Krenn
Barbara Holub 
Paul Rajakovics 
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Martin Krenn ist Künstler und Vorsitzender der IG Bildende Kunst.

Barbar Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst. (www.transparadiso.com)

Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien.

Artikel aus Ausgabe 54


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
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World´s End

Die Werke von Martin Krenn tauchen in dérive seit vielen Jahren immer wieder auf, so zum Beispiel Demonstrate! in Heft 2 und City Views in Heft 17. Viele seiner Arbeiten beziehen sich auf politische, historische und urbane Fragestellungen. Bekannt wurde Krenn u.a. durch die
Plakatserie Arbeiten gegen Rassismen, die er gemeinsam mit Daniela Koweindl kuratiert hat: Dabei wurden entlang der Wiener Straßenbahnlinie D Plakate installiert, die künstlerische
Positionierungen gegen Antisemitismus, »Arisierungen« und für den Widerstandskampf der PartisanInnen zeigten (u.a. mit Klub 2, Ljubomir Bratić, Richard Ferkl).
Krenns Arbeiten sind vielfach über die Medien Fotografie und Video bestimmt. Oft entstehen seine Projekte in Kooperation mit AktivistInnen, die direkt in die lokalen und
politischen Prozesse involviert sind. Im Mittelpunkt stehen vorwiegend Fragestellungen des
politischen Handelns und der entsprechenden Sichtbarmachungs-Prozesse. Wichtig sind dabei ganz konkrete Orte und die damit verbundenen unaufgearbeiteten historischen Begebenheiten, die ganz selbstverständlich eine politische Haltung der RezipientInnen fordern.
Im Kunstinsert für diese Ausgabe von dérive: ein nordirisches Dorf mit ungefähr 350 EinwohnerInnen, umgeben von einem militärischen Sperrgebiet mit einem Militärcamp.
Der Einstieg in die Fotoserie erfolgt über die von Wind und Wetter geprägte typische nordirische Landschaft am Rand einer Felsküste und lässt kaum etwas von den bis heute andauernden Machenschaften des British Empires an diesem Ort erahnen. Bei Internet-Kartendiensten wie Google Maps sind der gesamte Landstrich und das Dorf unkenntlich gemacht. Der fotografische Eintritt in dieses Gebiet wird über die Landschaft und die Natur vollzogen. Erst das Bild
Trenches mit einem im Kampfanzug aus dem Gebüsch heraustretenden Soldaten lässt uns den Ort genauer zuordnen. Anders als in Andrei Tarkowskis berühmten Film Stalker befinden
wir uns hier mitten in einem heute noch voll funktionstüchtigen militärischen Trainingsgebiet.
Nicht das bereits stattgefundene Inferno, sondern die permanente britische militärische
Präsenz lassen ab nun in allen Bildern die latente Repression und den kolonialen Nordirland-konflikt wirken. Die Bilder des pseudofeudal wirkenden Innenraumambientes der Offiziersmesse und der militärisch abgesicherten Landschaft lassen den beengten Raum des Ortes zu einer
klassischen Heterotopie im Sinne Michel Foucaults werden. Orte, von welchen wir wissen, dass es sie weit ab von unserem Leben gibt. Orte, die nicht betretbar sind und unnahbar sowohl
für jene, die in der Nachbarschaft wohnen, als auch für jene – so widersinnig es klingen mag –,
die in ihnen verweilen.
Martin Krenn lebt und arbeitet derzeit in Wien und Belfast. Parallel zu den Fotoarbeiten ist das Video »World’s End« (UK, 2013) entstanden, welches dieses Jahr u.a. in der Galerie Zimmermann Kratochwill in Graz und dem EGFK & OKK/Raum 29 in Berlin gezeigt wurde.

Weitere Informationen: www.martinkrenn.net