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Artikel von:
Ferdinand  Redl

Ferdinand Redl ist Politikwissenschaftler in Wien und arbeitet als Sozialarbeiter in der Wohnungslosenhilfe. Sein Forschungsinteresse liegt vor allem in der Wohnpolitik.

Artikel aus Ausgabe 59


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
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Formerly known as problematisch - Die Transformation des Wiener Stuwerviertels

Ähnlich wie andere innerstädtische Wohnquartiere durchläuft auch das Stuwerviertel in Wien gerade eine bemerkenswerte Transformation,1 die für seine BewohnerInnen durchaus Anlass zur Besorgnis ist: Einst ein Sorgenkind der Bezirkspolitik hat es in den letzten Jahren den Weg von den Chronik-Seiten der Boulevardzeitungen, auf denen jahrelang reißerische Berichte über Schwarzmarkt, Prostitution und Polizeieinsätze zu lesen waren, hin zum Grätzel mit Zukunft2 zurückgelegt. Aus deviant wird urban und aus den Gründerzeitbeständen, die einst als »Schuttabladeplatz für Architektur und Existenzen« (Maderthaner & Zahradnik 1983, S. 88) beschrieben wurden, wird ein »Idyll« und »Ort für Idealisten« (Die Presse 5.4.2013). Tatsächlich steht das Viertel im Zentrum sehr weitreichender innerstädtischer Umstrukturierungen Wiens, die ihm auch eine neue Funktion zuweisen. Das Viertel wird als Wohnraum und Arbeitsplatz für neue NutzerInnen interessant. Auch von Gentrifizierung wird im Zusammenhang mit den Aufwertungsprozessen gesprochen. Doch der Versuch Gentrifizierungstheorien auf die gegenwärtigen Entwicklungen im Stuwerviertel umzulegen, zeigt die engen Grenzen des Diskurses auf, weswegen ich versuche mich den Umwälzungen im Viertel aus einer regulationstheoretischen Perspektive zu nähern.3 (...)


1
Siehe auch den Schwerpunkt zum Thema Aufwertung im Stuwerviertel in dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 36 (2009).

2
Grätzel mit Zukunft ist eine Initiative einiger Prater-UnternehmerInnen und des Bezirks Leopoldstadt mit dem Ziel für das Stuwerviertel ein positives Image zu kreieren.

3
Die Regulationstheorie stellt sich zur Aufgabe, Phasen der Stabilität inmitten der immanent krisenhaften Produktionsweise des Kapitalismus zu erklären. (http://de.wikipedia.org/wiki/Regulationstheorie (Stand 12.3.2015)) Dabei wird untersucht wie in unterschiedlichen Akkumulationsregimen, also spezifischen Varianten oder Ausformungen des kapitalistischen Systems wie bspw. dem Fordismus, Verteilung und Produktion organisiert und strukturiert werden. Die Regulationsweise bezeichnet »die Gesamtheit institutioneller Formen, Netze und expliziter oder impliziter Normen, die die Vereinbarkeit von Verhaltensweisen im Rahmen eines Akkumulationsregimes sichern […].« Alain Lipietz; poloek.arranca.de/wiki/analyse:regulationstheorie (Stand 12.3.2015).