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Artikel von:
Jan Zychlinski

Jan Zychlinski ist Dozent für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Sozialraum und Stadtentwicklung an der Berner Fachhochschule. Daneben beschäftigt er sich mit Sozialfotografie, Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. Diese Interessen führten ihn in den letzten Jahren mehrfach in den Südkaukasus, wo er neben dem Thema Stadtentwicklung vor allem eine Langzeitdokumentation zu den Lebens- und Wohnbedingungen der Flüchtlinge aus den Gebieten der kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall der Sowjetunion erarbeitet hat. www.soziale-arbeit.bfh.ch

Artikel aus Ausgabe 60


dérive - Radio für Stadtforschung
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»Is it a beginning…?« Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft in Jerewan

Jerewan, die Hauptstadt Armeniens, ist das absolute Zentrum dieses kleinen Landes im südlichen Kaukasus (offiziell ca. 3 Millionen EinwohnerInnen, tatsächlich wahrscheinlich weit weniger). Trotz seiner geringen Größe (immer wieder wird es mit Bayern verglichen) und seiner offiziell erst vergleichsweise kurzen Existenz als Nationalstaat1 spielte das Land an der Grenze zwischen Europa und Asien über Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Als erste christliche Nation kann es auf eine lange Tradition an Hoch­kultur verweisen, um die sich im Laufe der Jahrhunderte die umliegenden Großreiche Persien, Russland und nicht zuletzt das osmanische Reich unzählige Schlachten lieferten. Eine Geschichte, die im Genozid von 1915 gipfelte, dessen hundertster Jahrestag am 24. April 2015 begangen wurde. Jerewan ist nach offiziellen Angaben 2796 Jahre alt. Damit wäre die Stadt älter als Rom, worauf auch immer wieder hingewiesen wird. Die lange Geschichte ist für die armenische Identität sehr wichtig, der Gründungstag wird regelmäßig gefeiert.
Aber ebenso wie das georgische Tiflis gehört Jerewan zu einer Gruppe von »Eurasian cities of the South Caucasian and Central Asian area [which] have remained extremly under-researched despite occasional outburst of geopolitical interest« (Darieva & Kaschube 2011, S. 10). Aus der Perspektive der AutorInnen stellt der Prozess von »reconfiguration of urban spaces by local authorities, the influence of global trends and flows and the ways, how ordinary people respond to this change«, das dar, was sie als »(post)socialist urbanism« bezeichnen (ebd., S. 12). Wie dies in der Praxis aussieht, soll im folgenden Artikel beleuchtet werden. […]