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Team Planbude

sind Christoph Schäfer, Renée Tribble, Patricia Wedler, Lisa-Marie Zander, Margit Czenki und Christina Röthig. PlanBude ist ein interdisziplinäres Team aus den Feldern Planung, Kunst, Soziale Arbeit, Film, Musik, Architektur.

Artikel aus Ausgabe 61


dérive - Radio für Stadtforschung
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Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
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Wir nennen es Planbude

...die PlanBude entsteht in einer dramatischen Situation. Hyper- gentrifizierung, Disneyfizierung und Standardisierung der Reeperbahn, Evakuierung der Esso-Häuser, Neubauten denen die Anschlussfähigkeit an die Eigenlogik von St.Pauli fehlt:Das Vertrauen in die Stadtplanung von Investoren und Behörden ist an einem Tiefpunkt angelangt. »Wir nennen es PlanBude«, Konzept, Sommer 2014
Die PlanBude steht direkt an der Reeperbahn, mitten auf St. Pauli. Zwei Kopf an Kopf montierte Container mit ver- glasten Seitenfronten und Dachterrasse, direkt am Bauzaun der abgerissenen ESSO-Häuser platziert. Hier haben wir in den letzten Monaten über 2.300 Beiträge – Zeichnungen, Ideen, Modelle, Wünsche, notierte Haustürgespräche, über Stunden ausgefüllte Fragebögen, Workshopergebnisse – für neue ESSO- Häuser an der Reeperbahn gesammelt. Die PlanBude wurde
im Ballsaal des FC St. Pauli aus der Stadtteilversammlung St. Pauli selber machen heraus gegründet. Sie ist ein Kind der Hamburger Recht-auf-Stadt-Bewegung. Nur vor diesem Hintergrund konnten wir unser Konzept politisch durchsetzen und eine vielfältige Praxis entwickeln. Die hier erprobten Beziehungen zwischen autonom strukturierter Selbstorganisation, konfliktorientierter sozialer Arbeit, interventionistischer Kunst- praxis und Musikszene-Vibe erweitert das multidisziplinäre Team um eine Lefebvre- und wettbewerbsgeschulte Stadt- planung. Mit diesem strukturellen, strategischen und operati- ven Wissen und dem Votum der engagierten BewohnerInnen im Rücken trauten wir uns zu, einen Bottom-up-Planungs- prozess im Viertel anzugehen: Im Auftrag des Bezirks. Beauftragt von der Stadt. Für ein Gelände, das einem privaten Eigen- tümer, der Bayerischen Hausbau, gehört. Zudem an einer der teuersten Straßen, in einer der reichsten Städte Europas. Kann das gut gehen?
Eine solche Konstellation ist zwangsläufig fragil. Sie erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Leuten mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten. Man muss Schäfer, Tribble, Wedler, Zander, Czenki, Röthig Wir nennen es PlanBude Stadtproduktion, St. Pauli, Recht auf Stadt, ESSO-Häuser, Partizipation, Wunschproduktion, Bottom-up, Beteiligungsprozess sich auf seine Leute verlassen können und zur Not etwas im Kreuz haben, also Support und Handlungsfähigkeit. Jetzt, während wir an diesen Zeilen schreiben, läuft der städtebauli- che Wettbewerb für die »Neubebauung am Spielbudenplatz« – auf Basis einer Ausschreibung, deren Grundlagen die PlanBude aus den Beiträgen des Beteiligungsprozesses abgeleitet und entwickelt hat. Die Jury wird in fünf Tagen entscheiden, und vielleicht ist der Planungsprozess schon bei Drucklegung dieses Heftes gescheitert. Es besteht allerdings eine große Chance, dass einer jener Entwürfe gewinnt, die diese Grund- lagen zutiefst verstanden und produktiv weiter entwickelt haben. Womit wir einen entscheidenden Schritt weiter wären: Hin zu einer grundsätzlich anderen, sozialen, kollektiven und leidenschaftlichen Stadtplanung; zu einem Stück Stadt, in dem sich St. Pauli weiterentwickeln kann; zu einer Stadt der Aneig- nung, die das lokale Wissen ernst nimmt.
Statt in der Beschreibung des Projekts einfach fortzufahren, erlauben wir uns an dieser Stelle, eine provisorische Agenda aufzustellen – auf Basis der PlanBuden-Erfahrung. […]