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Artikel von:
Tatjana Schneider

Tatjana Schneider lebt in Sheffield, England, wo sie Geschichte und Theorie der Architek- tur an der University of Sheffield lehrt. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen, die sich kritisch mit der Produktion und Politik von Raum auseinandersetzen.

Artikel aus Ausgabe 61


dérive - Radio für Stadtforschung
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Tod dem Projekt! Lang lebe der systemische Wandel

In Colombes, einem Vorort von Paris, soll ein Projekt, das vor etwa fünf Jahren von der Pariser Gruppe Atelier d’Architecture Autogérée (AAA) initiiert wurde, mit Geldern aus einem Programm Europäischen Kommission, der Stadtverwaltung von Colombes und anderen FörderInnen, wie zum Beispiel dem Ministère de l’Écologie, dem Conseil Régional Île-de-France, dem Conseil Départemental des Hauts-de-Seine und der Fondation de France, einem Parkplatz weichen. R-Urban, so der Name des Projekts, wurde international mit unzähligen Preisen ausgezeichnet und hat sich, wie die InitiatorInnen des Projekts schreiben, als Referenzpunkt einer Art von Stadtentwicklung etabliert, die sich als resilient bezeichnet. VertreterInnen einer solchen Denk- weise erarbeiten Systeme ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und auch gebauter Natur, die sich mit der limitierten Verfügbarkeit von Ressourcen und den Widerstands- und Regenerationsfähigkeiten dieser Systeme auseinandersetzen. Im Falle von R-Urban wurde dieser Ansatz unter anderem durch die Förderung von Recycling, der Eigenproduktion von Energie, der Aufarbei- tung von Grauwasser und der Einführung urbaner Landwirtschaft umgesetzt. Von Anfang an war R-Urban darauf ausgelegt, mittelfristig seinen Ort zu wechseln. Die Eigentümerin von Grund und Boden, die Stadt Colombes, hatte diesen der interdisziplinären Gruppe nicht übertragen, sondern nur temporär zur Verfügung gestellt. Die im Juni 2014 ausgesprochene Aufforderung, das Grundstück bis Mitte September 2015 zu räumen, enthielt keinen Hinweis auf das ausgehandelte Alternativgrundstück, das die Stadt AAA ursprünglich zugesagt hatte. Dieses anfangs gegebene Versprechen war nach den Kommunalwahlen im März 2014, die einen Regie- rungswechsel hin zur Liste Union de la Droite brachten, nichts mehr wert. Verhandlungen und Vorschläge, die Parkplätze an anderen Orten in Colombes unterzubringen, sind bislang auf taube Ohren gestoßen. Inwieweit eine kürzlich eingerichtete Petition, die bisher hauptsächlich eine Stimme international agierender Akademiker- und ForscherInnen zu sein scheint, die Entschei- dung der Stadtverwaltung aufzuhalten oder rückgängig zu machen vermag, bleibt abzuwarten.