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 zweintopf

zweintopf wurde als KünstlerInnenduo im Jahr 2006 von Eva Pichler und Gerhard Pichler gegründet und agiert seither sowohl in klassischen Ausstellungszusammenhängen wie auch im öffentlichen Raum: in Form von Installationen, Objekten und Videos oder unangemeldeten Interventionen.

Artikel aus Ausgabe 61


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AAA

zweintopf wurde als KünstlerInnenduo im Jahr 2006 von Eva Pichler und Gerhard Pichler gegründet und agiert seither sowohl in klassischen Ausstellungszusammenhängen wie auch im öffentlichen Raum: in Form von Installationen, Objekten und Videos oder unangemeldeten Interventionen.
Mit räumlicher Präzision, Signifikanz, Witz und künstlerisch formulierter Kritik nähern sie sich unterschiedlichsten Themen. Zuletzt etwa diesen Sommer beim Grazer Festival La Strada, wo sie sich mit CCC – closed circuit circus mittels eines angeboten Selfenactments auf einer Drehscheibe und mehreren Überwachungskameras dem Thema der Kontrolle im öffentlichen Raum widmeten.
zweintopfs Arbeiten erscheinen oft leichtfüßig und schnell, aber vielmehr sind es präzise Sets, die man im besten Sinne als eine zeitgemäße Interpretation der Minimal Sculpture unter Einbeziehung performativer Elemente betrachten kann. Dabei greifen sie gerne auf Vorgefunde- nes, wie sie es speziell für dérive getan haben. Der Schriftzug »Tabak Trafik«1, wie er immer noch auf unzähligen Trafiken angebracht ist, wird auf eine fiktive Fassade montiert.
Durch ein neuerliches Zusammenfügen der Buchstaben entstehen einerseits die Worte: »Kraftakt, Taktik, Rabatt, Fabrik« und anderseits »Bar, Bart, Rat, Tat«, die jeweils einen lyri- schen Zusammenhang darstellen. Auf der letzten Seite des Inserts steht nur mehr AAA, also ein Triple A, welches uns zu aktuellen ökonomischen und gesellschaftlichen Fragestellungen führt.
Die Tabak Trafik und die Rating Agentur stehen so für zwei unterschiedliche Systeme: Während die Tabak Trafik als eine vom Staat eingerichtete Mikroeinheit zu sehen ist, steht die Rating Agentur für Wirtschaftsliberalismus. Die Vergabe von Trafiken funktioniert nach sozial motivierten Richtlinien, sie spielen als Orte sozialen Lebens eine ähnliche Rolle wie Greißler oder das Dorfgasthaus und sind als solche nicht mehr wegzudenken. Sie sind Ausdruck von sozi- alen Mikrostrukturen, die jenen Bereich des Halbprivaten darstellen, der als Schnittstelle zwischen Privatheit und Öffentlichkeit gesehen werden kann.
Diese Schnittstelle ist es auch, die zweintopf in ihrer kuratorischen Tätigkeit immer wieder zur Diskussion stellen. Mittlerweile drei Interventionsprojekte machten jenen Übergang zwischen (halb)öffentlich und privat zum Thema: Wo 2009 bei Imagineering – Shoppingwelten als Performanceraum Einkaufsarchitekturen und 2012 bei NO STANDING ANYTIME Parkhäuser und Verkehrsräume zum Schauplatz unangemeldeter, künstlerischer Interventionen erklärt wurden, waren bei der eben zu Ende gegangenen Ausstellung Chasing Max Mustermann 17 KünstlerInnen auf Einladung von zweintopf genau an dieser Grenze zwischen privat und öffentlich tätig: Sie haben im Rahmen des Projekts neue Arbeiten im und über den öffentlichen Raum entwickelt und in einer gemeinsamen Ausstellung und einem Katalog im September in Graz präsentiert.
Genaueres zu dieser Ausstellung und die Projekte des KünstlerInnenduos findet man auf der Webseite: www.zweintopf.net.