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Artikel von:
Jonas König

Jonas König ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Stadtplanung / Stadt- und Regionalökonomie an der HCU Hamburg.

Artikel aus Ausgabe 62


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Prishtina: Departure City?

Zwischen Januar und Juni 2015 haben 30.970 BürgerInnen des Kosovo in Deutschland Asyl beantragt (vgl. BAMF 2015); in Österreich waren es im selben Zeitraum 2.298 (vgl. BMI 2015). Zusammengenommen wurden also allein in dieser Kategorie der Migrationsstatistik 30.970 Personen erfasst, die den Kosovo verlassen wollten. 30.970 Personen – das sind in etwa 1,7 Prozent der kosovarischen Bevölkerung. In nur einem Halbjahr, in Richtung nur zweier Zielländer. Auch wenn Asylgesuche aus dem Kosovo beinahe aussichtslos sind und die AntragstellerInnen über Erstaufnahme- und Abschiebeeinrichtungen zurück an den Ausgangsort führen, zeigt die Zahl doch, wie hoch die Bereitschaft zur Abwanderung in weiten Teilen der Bevölkerung des Kosovo ist. Nach einer Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung wollen etwa 55 Prozent der unter 30-jährigen KosovarInnen emigrieren (vgl. Taleski & Hoppe 2015).
Welche Auswirkungen hat eine so hohe Bereitschaft zur Emigration für die Stadtentwicklung in der Herkunftsregion? In der Stadtforschung überwiegt beim Thema Migration das Interesse an den Zielorten, an der Arrival City (Saunders 2010). Migration wird oft auf die Phase der Ankunft in einer Stadt und die mehr oder weniger geglückte Integration in die neue Gesellschaft reduziert (vgl. Gottdiener & Budd 2013). So wichtig entsprechende Forschungen für das Verständnis der gegenwärtigen Entwicklung von Städten auch sind – sie betreffen nur eine Seite der Medaille. Migration ist immer Ankunft und Aufbruch zugleich; ohne Abwanderung keine Zuwanderung.
Im Folgenden soll Prishtina, die Hauptstadt des Kosovo, als Departure City konzeptualisiert werden – als eine Stadt, deren Raum, so wie der vieler anderer Städte der (europäischen) Peripherie, wesentlich von Emigration geprägt ist. Diese Prägung ist dabei, so die These, nicht mit Schrumpfung gleichzusetzen, sondern deutlich vielschichtiger. Die entsprechenden Überlegungen stützen sich auf Sekundärquellen sowie Interviews mit BewohnerInnen und VertreterInnen der Stadtverwaltung. konzeptualisiert werden – als eine Stadt, deren Raum, so wie der vieler anderer Städte der (europäischen) Peripherie, wesentlich von Emigration geprägt ist. Diese Prägung ist dabei, so die These, nicht mit Schrumpfung gleichzusetzen, sondern deutlich vielschichtiger. Die entsprechenden Überlegungen stützen sich auf Sekundärquellen sowie Interviews mit BewohnerInnen und VertreterInnen der Stadtverwaltung. […]