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Artikel von:
Andreas Fogarasi
Peter Bartoš 
Ludmila Rampáková 
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Andreas Fogarasi ist Künstler und Mitarbeiter von dérive.

Artikel aus Ausgabe 62


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
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The Historical Extramural Settlement of Bratislava

Peter Bartoš (geboren 1938 in Prag) ist ein unermüdlicher Chronist der Veränderungen, die die slowakische Hauptstadt Bratislava in den letzten Jahrzehnten erfahren hat. Als einer der wesentlichen Protagonisten der slowakischen Konzept- und Aktionskunst seit den 1960er Jahren hat er sich immer wieder mit dem Einfluss des Menschen auf Landschaft und Natur beschäftigt. Lange Jahre war er beim Zoo von Bratislava angestellt und entwickelte dort räumliche Konzepte, die von großem ökologischen Bewusstsein und einem intensiven Nachdenken über die Koexistenz von Mensch und Tier geprägt waren. Seine Zeichnungen, Konzepte, Pamphlete, Ideen kopiert er wieder und wieder, statt auratischer Originale genügt ihm für die Kommunikation seiner Ideen das profane Format DIN A4 (wie die ersten 39 Ausgaben von dérive).
Über seinen Beitrag für dérive, den er gemeinsam mit Ludmila Rampáková entwickelt hat, schreibt er unter anderem: »Bei meiner Rückkehr nach Bratislava (wo ich seit meinem ersten Lebensjahr gewohnt habe) erkenne ich, wie Architekten zu Erfüllungsgehilfen der Immobilienentwickler werden. Sie zerstören den Genius Loci der Stadt und ersetzen ihn durch ›beeindruckende‹ Gebäude. Die möchte aber wohl kaum ein Tourist sehen, der gekommen ist um die mitteleuropäische Stadt Pressburg, Pozsony, Bratislava und ihre Burg zu sehen, in der einst Maria Theresia gekrönt worden ist. [...] Mein Interesse gilt dem Burgberg und seiner prähistorischen Geschichte, als ersten Ausläufer der Karpaten und als bestimmendes Element der Silhouette der Stadt. Bereits mit dem Bau der Donaubrücke in den 1970er Jahren, dem die Synagoge und Teile des jüdischen Viertels zum Opfer fielen, begann die Zerstörung des historischen Gefüges. [...] Es macht mich sprachlos, dass die gegenwärtige Stadtverwaltung den gesamten Südhang des Burgbergs an Immobilienentwickler zur Bebauung verkauft hat, ohne den historischen Kontext oder den Charakter des Ortes zu berücksichtigen.«
Bartoš und Rampáková beschränken sich aber nicht darauf, die geschichtsvergessene, unternehmerische Stadt anzuprangern, sie entwickeln mit dem Konzept für einen archäologischen Landschaftspark auch alternative Szenarien.
In einfachen Ordnern auf langen Tischen arrangiert und als A4 Kopien zum Mitnehmen ausgelegt, hat Peter Bartoš letztes Jahr in der Wiener Secession sein faszinierendes und wenig bekanntes Lebenswerk präsentiert; noch bis 23. Jänner 2016 ist seine Ausstellung Homeland bei amt_project in Bratislava zu sehen: http://amtproject.sk/exhibition/homeland
Andreas Fogarasi