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Artikel von:
Manfred Russo

Manfred Russo ist Kultursoziologe und Sozialforscher, lehrt an der Universität Wien und ist Professor an der Bauhaus Universität Weimar.

Artikel aus Ausgabe 62


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Henri Lefebvre, Teil 6 Die Produktion des Raumes I: Das konkrete Allgemeine

Henri Lefebvre beginnt sein Werk La production de l’espace (Die Produktion des Raumes) mit einem »Plan der vorliegenden Arbeit«, der sich anfangs noch durch eine gewisse Konsistenz der Analyse und Klarheit der Gedanken auszeichnet. Nach einem groben Abriss der Geschichte des Raumes im westlichen Denken, in dem er die Traditionen von Descartes, Leibniz, Spinoza, Kant und Bergson behandelt, steigert sich Lefebvre zu einer allgemeinen Theorie des Raumes, die er spatiology (1991, S. 404) nennt und in der er sämtliche Räume innerhalb des natürlichen, mentalen und des sozialen Raumes im Sinne eines Raumes menschlicher Interaktion zu verbinden sucht. Das Fernziel wäre allerdings erst in einer Analyse der Rhythmen zu erreichen (ebd., S. 405), die die Rolle des Körpers in seiner raumschaffenden Kompetenz beschriebe. Eine Aufgabe, die sein Spätwerk durchsetzt, wenngleich immer nur in Ansätzen und ohne die Ausarbeitung einer konzisen Theorie. Diese unterschiedlichen Felder des Raumes konnten seinem Urteil nach unter der Führung der Einzelwissenschaften bisher nicht entsprechend behandelt und verstanden werden, weil man aufgrund unterschiedlicher disziplinärer Herkunft nicht in der Lage war, Gemeinsamkeiten festzustellen. Dem sollte nach Lefebvres Ansicht ein Ende bereitet werden, indem mit dem neuen Konzept sämtliche Fragmentierungen und Dualismen beseitigt, Trennungen korrigiert und falsche Raumbegriffe auf- gehoben werden. Sein Ziel ist kein geringeres als eine Zusammenfassung der zahllosen Modalitäten des Raumes zu einer großen, überzeugenden, kohärenten Theorie. […]