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Artikel von:
Michael Hieslmair
Gerhard Zapfl 

Michael Hieslmair studierte Architektur in Graz und Delft. Er lebt und arbeitet als Künstler, Kurator, Kulturwissenschafter und Architekturtheoretiker in Wien. Seit 2005 realisierte er gemeinsam mit Michael Zinganel Workshops, Konferenzen, Ausstellungen und Ausstellungsbeiträge über transnationale Mobilität, Massentourismus und Migration. 2012 gründeten die beiden die Forschungsplattform »Tracing Spaces«. Seit 2014 leiten sie das Forschungsprojekt »Stop & Go. Nodes of Transformation and Transition« an der Akademie der Bildenden Künste. http://mhmz.at, http://www.tracingspaces.net, http://stopandgo-transition.net

Gerhard Zapfl ist Bürgemeister von Nickelsdorf.

Artikel aus Ausgabe 63


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
www.urbanize.at

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Grenzlogistik Nickelsdorf. Erstversorgung an der Balkanroute [Insert]

Mapping der realen Orte und Infrastruktureinrichtungen zur Bewältigung der Flüchtlingswelle vom Sommer und Herbst 2015 an der Grenzstation zwischen Österreich und Ungarn in Nickelsdorf, wo die seit dem Ende der Schengen-Grenze obsoleten Parkflächen und Grenz-Infrastrukturen als Checkpoints und (Not-)Unterkünfte reaktiviert und somit zum unfreiwilligen provisorischen Lebensraum der Menschen im Transit wurden. Von hier aus wurden sie mit Bussen, die andernfalls PendlerInnen oder TouristenInnen vorbehalten sind, in die Notquartiere und Bahnhöfe der Stadt Wien gebracht, das zu einem sich in extrem kurzer Zeit verdichteten Hub der Flüchtlingslogistik wurde.
Aufgrund der Entscheidung der ungarischen Regierung die Grenze zu Serbien und später zu Kroatien zu schließen, wurde der Flüchtlingsstrom weiträumig auf die Hauptstränge der ehemalige Gastarbeiterroute umgeleitet – und die Grenzstation wieder menschenleer und das kleine Dorf beschaulich wie zuvor. Aber der vorübergehende Ausnahmezustand war keineswegs einzigartig für die Geschichte von Massenfluchtereignissen in der kleinen Grenzgemeinde: So passierten während Ungarn-Krise im November 1956 180.000 Flüchtlinge die Gemeinde, und nach dem Fall des Eisernen Vorhanges im Herbst 1989 mussten hier 40.000 erschöpfte DDR-BürgerInnen erstversorgt werden.