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Artikel von:
Martin Gegner

Martin Gegner studierte Politik- wissenschaften und ist promovierter Soziologe. Er arbeitet als Stadt- forscher in Berlin. Von 2010 bis 2014 war er DAAD-Gastprofessor für Stadt- und Architektursoziologie an der Faculdade de Arquitetura e Urbanismo (FAU) der Universidade de São Paulo (USP).

Artikel aus Ausgabe 64


dérive - Radio für Stadtforschung
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Die brasilianische Stadt – zu modern für das 21. Jahrhundert?

In Brasilien entwickelte sich im 20. Jahrhundert eine eigentümliche Form des Städtebaus, die von einer besonderen Rezeption der Moderne Europas geprägt war. Der weiterhin dominierende Einfluss, den diese Ideologie auf die Planung sowohl von Megacities als auch auf die von Kleinstädten hatte, rechtfertigt es, in der Überschrift von der brasilianischen Stadt zu sprechen. Selbstverständlich sind nicht alle brasilianischen Städte gleichförmig. Dennoch finden sich in fast allen immer wiederkehrende Planungsmuster, die bis in unsere Zeit hinein angewandt werden. Die Diskussion, ob deshalb bei der brasilianischen Stadt von einem eigenen Typus gesprochen werden kann, findet sich an anderer Stelle (Gegner 2015).
In diesem Beitrag sollen das spezifisch Moderne der brasilianischen Stadt herausgearbeitet und die daraus resultierenden Probleme diskutiert werden. So wird zunächst die Rezeption der europäischen Moderne in Brasilien nachgezeichnet, um dann den eigenen brasilianischen Weg in die Moderne zu skizzieren. Unter Moderne wird hier die für Architektur und Städtebau mittlerweile historische Epoche von 1920 bis 1960 verstanden. Der Titel stellt die Frage, ob der brasilianische Urbanismus zu stark an den Konzepten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts festhält. Die besonderen Anforderungen des 21. Jahrhunderts, die keinesfalls objektiv zu bestimmen sind, werden zum Schluss unter Bezug auf die Millennium Development Goals der Vereinten Nationen (UN 2000) in der Zuständigkeit des Programms für menschliche Siedlungen UNHABITAT (UN 2010) definiert. Auf diese Weise werden die konkreten Entwicklungen des brasilianischen Städtebaus zu Beginn des 21. Jahrhunderts den übernationalen und – unter Bezug auf das Estatuto da Cidade (Presidência da República 2001) – auch den nationalen Zielvorstellungen gegenübergestellt. […]