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Artikel von:
Sarah Kumnig

Sarah Kumnig forscht und lehrt an der Universität Wien zur Neoliberalisierung des Städtischen, urbaner Landwirtschaft, Wohnpolitik, lokalen Grenzpraktiken und Urban Citizenship und ist stadtpolitisch aktiv in Wien.

Artikel aus Ausgabe 67


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Partizipation und grüne Imagepolitik in Wien Widersprüche des Stadtentwicklungsprozesses Donaufeld

Wien präsentiert sich nicht nur als besonders soziale Stadt, sondern auch als ausgesprochen grün. Rund 50 Prozent der Stadtfläche sind Grünraum, es gibt 650 landwirtschaftliche Betriebe und immer mehr Gemeinschaftsgärten entstehen. Im Kontext einer neoliberalen Stadtentwicklung ist die Rolle urbaner Landwirtschaft und Gärten durchaus widersprüchlich. Während sich selbstorganisierte kollektive StadtLandwirtschaftsprojekte durch die Bepflanzung von Brachflächen Stadtgestaltung (wieder) aneignen wollen, wird städtischer Gemüseanbau auch gezielt als Instrument einge- setzt, um Stadtteile attraktiver zu machen. Selbst in Wien ruft inzwischen die Stadtverwaltung zur Beteiligung an Nachbar_innenschaftsgärten auf und der neue Stadtentwicklungsplan bezeichnet Urban Gardening als innovativen Impuls für die Belebung der Stadt.

Gleichzeitig geraten landwirtschaftliche Flächen durch wachsenden Wohnbedarf und einen massiven Bauboom zunehmend unter Druck. Die Folge davon ist allerdings nicht die komplette Verdrängung städtischer Gemüseproduktion. Stattdessen kommt es zu einer selektiven Erhaltung und sogar Aktivierung bestimmter Formen städtischer Landwirtschaft und Gärten, während andere verschwinden.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Donaufeld im 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf. Ausgewiesen als so genanntes Zielgebiet der Stadtentwicklung wird dieses etwa 60 Hektar große Areal nach wie vor zu weiten Teilen landwirtschaftlich genutzt. Während die bestehenden Gemüse- betriebe in den kommenden Jahren 6.000 Wohnungen weichen sollen, ist das Stadtentwicklungsprojekt um ein besonders grünes und land- wirtschaftliches Image bemüht. […]