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Artikel von:
Lisa Bolyos

Lisa Bolyos ist Redakteurin der Ersten österreichischen Boulevardzeitung Augustin, www.augustin.or.at

Artikel aus Ausgabe 67


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
www.urbanize.at

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»Was wir entwickeln müssen, ist unser Horizont« Addis Abebas uferlose Stadtentwicklung

Bis zum Kreisverkehr von Olympia ist die Gabon Road eine einzige Baustelle. »Wenn ich Euch dort hinbringen soll, mach ich mir das Auto kaputt,« sagt der Taxifahrer, »also hört auf, den Preis zu verhandeln«. Meskel Flower Area heißt das Viertel, in dem wir wohnen, und es gilt, sich Orientierungs- punkte zu merken – eine Klinik, eine Bäckerei, ein Hotel. In Addis Abeba ist es unüblich, Straßen beim Namen zu nennen. Diese Orientierungs- punkte, die Landmarks, entlang derer man die Stadt durchstreift, gehen mit der Stadterneuerung nach und nach verloren, sagt Konjit Seyoum. »Das schmerzt. Du vermisst den gewohnten Geruch
von gemahlenem Kaffee und Gewürzen, der dir an einer Straßenecke zur Orientierung gedient hat, die Geräusche, wenn das Brot geknetet wird, und genauso vermisst du das menschliche Miteinander. Wenn ein Stadtteil zerstört wird, geht das ganze soziale Gefüge in Brüche.« Konjit Seyoum betreibt unweit der ALE-Kunstuniversität die Asni Art Gallery. Sie ist in der Stadt aufgewachsen, ist bildende Künstlerin, Köchin und Konferenzdolmetscherin für Englisch, Amharisch und Kroatisch. In der Galerie, deren direkte Nachbarschaft zur Friedrich- Ebert-Stiftung auch am Publikum sichtbar wird, ist Ausstellungspause; an den Wänden hängen Bilder aus der hauseigenen Sammlung zeitgenössischer Kunst. Da sind Architektur-Skizzen, Aquarelle von Häusern aus dem 19. Jahrhundert, die es in der Stadt längst nicht mehr gibt; die Seitengassen informeller Wohnsiedlungen in graustufigem Acryl auf Karton; eng aufeinander gestapelter Geschoss- wohnungsbau auf gerahmter Leinwand. Die Frage, wohin sich die Stadt entwickelt, scheint seit Jahrzehnten Thema zu sein. […]