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Artikel von:
Manfred Russo

Manfred Russo ist Kultursoziologe und Sozialforscher, lehrt an der Universität Wien und ist Professor an der Bauhaus Universität Weimar.

Artikel aus Ausgabe 68


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Geschichte der Urbanität, Teil 52 - Henri Lefebvre, Teil 8. Die Produktion des Raumes III: Raum und Körper, Energetik und Spiegelung

Wir wissen, dass im Zentrum von Lefebvres Philosophie des Raumes der Körper steht und damit die Philosophie Nietzsches mit dem Willen zum Leib, die auf der Erkenntnis Schopenhauers beruht, dass das Leiden den Grundzug des Lebens bildet. Drücken wir es durch einige Nietzsche-Zitate des Zarathustra aus, die Lefebvre zwar nicht verwendet, die aber dem Sinn und der Tendenz seiner Gedanken zugrunde liegen dürften, wenn es von den Hinterweltlern tönt: »Glaubt es mir Brüder! Der Leib war’s, der an der Erde verzweifelte, – der hörte den Bauch des Seins zu sich reden.« (Nietzsche 1980, S. 36) Der Leib ist das Diesseitige, das Wirkliche, der aber erst verwirklicht werden muss, denn der aktuelle Körper ist ein krankhaftes Ding. Der gesunde Leib wird im Gegenzug zu den Vernunftvorstellungen der Metaphysik als das noch nicht verwirklichte Wesen des eigentlichen Menschseins gefordert. »Leib bin ich ganz und gar, und Nichts außerdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist die große Vernunft, eine Vielheit mit einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt. Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du ›Geist‹ nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner großen Vernunft.« (a.a.O., S. 39)

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