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Artikel von:
Manfred Russo

Manfred Russo ist Kultursoziologe und Sozialforscher, lehrt an der Universität Wien und ist Professor an der Bauhaus Universität Weimar.

Artikel aus Ausgabe 69


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Geschichte der Urbanität, Teil 53. Henri Lefebvre, Teil 9 Die Produktion des Raumes IV: Das Imaginäre und das Monumentale

Lacans Spuren bei Lefebvre
Lefebvre hat in seiner großen Geste der Einverleibung von Literatur zum Raum auch psychoanalytische AutorInnen berücksichtigt. Neben Sigmund Freud wird auch sein Zeitgenosse Jacques Lacan gelegentlich erwähnt und es werden vage Bezüge zu dessen Theorie des Spiegelstadiums vorgelegt. Lefebvres Vorliebe zum Begriff der Spiegelung durchzieht sein Werk, ins- besondere auch die Produktion des Raumes, ohne allerdings eine klare Präferenz für eine bestimmte Theorie erkennen zu lassen, wenn man von der Prämisse der marxistischen Widerspiegelungstheorie absieht, die von einer Reflexion der Welt in den Köpfen der Menschen ausgeht. Auch Lacans Ansatz korreliert mit der materialistischen Theorie, wenngleich auf eine komplexere Art der Beweisführung.
Ein in diesem Zusammenhang besonders interessanter Hinweis zum Einfluss Lacans erfolgte durch den Vergleich der drei Formanten Lefebvres mit dem Borromäischen Knoten bei Lacan, einem Formprinzip der christlichen Trinitätslehre, das er als Darstellung für die Topologie seiner Lehre verwendete. Drei Ringe sind so angeordnet, dass ein Ring die beiden anderen, die nicht miteinander verbunden sind, verknüpft. Wenn ein Ring herausgelöst wird, so sind auch die beiden anderen frei. Es handelt sich bei den Ringen um das Imaginäre, das Symbolische und das Reale. Diese drei zentralen Elemente bei Lacan könnten, so ein kurzer Hinweis von Walter Prigge, der von Christian Schmid (2005, S. 242) weitergegeben wird, den drei Formanten bei Lefebvre entsprechen. Die Repräsentationen des Raumes (L’espace conçu, der konzipierte Raum) entsprechen demnach dem Begriff des Symbolischen bei Lacan. Die Räume der Repräsentation (L’espace vécu, repräsentierende Räume, gelebter Raum) entsprechen dem des Imaginären. Die räumliche Praxis (L’espace perçu, der wahrgenommene Raum) entspricht dem Realen. Mit dieser Analogiedarstellung erschöpft sich allerdings der Hinweis, daher wagen wir in einem Versuch eine Interpretation der Dimension des Lacan’schen Imaginären, wie sie in der Produktion des Raumes zumindest in Spuren vorhanden ist. […]