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Artikel von:
Lucas Pohl

Lucas Pohl ist Doktorand am Institut für Humangeographie der Goethe Universität Frankfurt am Main. Er promoviert zum Leerstand und Verfall von Wolkenkratzern und analysiert in diesem Zusammenhang, welche Konsequenzen von solchen Objekten in unterschiedlichen Städten ausgehen. Allgemeiner interessiert er sich für eine Vermittlung von Philosophie, Psychoanalyse und Stadtforschung mit Fokus auf den Arbeiten von Jacques Lacan, Henri Lefebvre, Alain Badiou und Slavoj Žižek.

Artikel aus Ausgabe 70


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
Sendungsarchiv zum Nachhören: http://cba.fro.at/series/1235

urbanize - Int. Festival für urbane Erkundungen
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Eine Stadt im Verfall. Vorwort zum Schwerpunkt Detroit

Das Vorwort zu einem Themenheft über Detroit zu schreiben gestaltet sich in etwa so schwer, wie die Gestaltung eines solchen Schwerpunktes. Schließlich wurde kaum eine Stadt innerhalb und außerhalb der Stadtforschung aus so vielen Gründen herangezogen, um urbane Phänomene in der Geschichte und Gegenwart zu erörtern, dass sich bei einer Zusammenstellung an Beiträgen über Detroit notwendig die Frage stellt, wie sich die einzelnen Texte zu einem großen Ganzen verknüpfen lassen.

Als Hochburg der Automobilindustrie avancierte Detroit unter der Federführung von Henri Ford im 20. Jahrhundert zu einer der prosperierendsten und wohlhabendsten Städte der USA. Im Zuge der Krise des Fordismus und politischen Unruhen schrumpfte Detroit seit den 1950er Jahren schließlich sukzessive um über die Hälfte der Bevölkerung. Zeitweise verließ alle 48 Minuten eine Familie die Stadt, wie Joshua Akers in seinem überblicksartigen Abriss von Detroits Entwicklung für diesen Schwerpunkt festhält. Nachdem das Bild der Stadt für einige Zeit vor allem durch ausgestorbene Wohnviertel, leere Straßenzüge und verfallene Wolkenkratzer geprägt war, sorgte der Zuzug von jungen Kreativen für einen erneuten Imagewandel. Die Stadt erfindet sich neu und wird zu einem Anziehungspunkt des Do-­It-­Yourself­-Urbanismus. Dieses Comeback bringt jedoch einige millionenschwere Investments und Spekulationsvorhaben mit sich. Ganze Viertel werden abgerissen, neugebaut und saniert, um Platz zu machen für ein neues Detroit, dessen Ausmaße sich zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht vorhersagen lassen, doch von Nora Mariella Küttel in ihrem Beitrag bereits passend mit der Frage Whose Detroit? infrage gestellt werden. […]