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Artikel von:
Nora Küttel

Nora Küttel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geographie der Universität Münster. Ihre Forschungsinteressen liegen unter anderem in der Stadtentwicklung von unten und der ethnographischen Stadtforschung. Sie promoviert zu den Wechselwirkungen von KünstlerInnen und Stadtentwicklung in Detroit.

Artikel aus Ausgabe 70


dérive - Radio für Stadtforschung
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Art for whose Sake? Zwischen Kommodifizierung, Gentrification und sozialem Engagement

Motor City, Motown, The D – Detroit trägt nicht nur viele Namen, um die Stadt kursieren auch zahlreiche Narrative. Während die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem vom wirtschaftlichen Aufstieg Detroits geprägt gewesen ist – Detroit als Synonym des American Dream, Detroit als Arsenal of Democracy –, nehmen in den darauffolgenden Jahren vor allem Erzählungen vom Niedergang den Platz ein. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts münden diese in Artikeln, Büchern und Zeitungsberichten mit den eingängigen Titeln wie Is Detroit Dead? (Eisinger 2013), If Detroit is Dead, Some Things Need to Be Said at the Funeral (Tabb 2015) oder Detroit – An American Autopsy (LeDuff 2013). Wie passend es ist, im Kontext einer Stadt, in der immer noch Menschen leben, wohnen und arbeiten, von Tod zu sprechen, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Viel mehr ist hier interessant, dass etwa seit den 2010er Jahren wiederum eine neue Richtung der Erzählung eingesetzt hat. Sie dreht sich um die Zukunft Detroits und darum, welche Rolle KünstlerInnen in ihr einnehmen. Hierbei wird immer wieder ein Zusammenhang hergestellt zwischen KünstlerInnen und einer Renaissance oder einem Comeback Detroits. Das geschieht einerseits eher fragend: »Can Detroit’s Vibrant Arts Scene Save the City?« (La Force 2014), »Can the Arts Save Detroit?« (Tolf 2014), andererseits mit einer klareren Aussage: »Detroit – The Dream is Now. The Design, Art and Resurgence of an American City« (Arnaud 2017). Doch solche Artikel werfen meist eher Fragen auf als dass sie Antworten finden. Wer sind also diese KünstlerInnen, die vielleicht in der Lage wären, Detroit zu retten? Wie sähe solch eine Rettung überhaupt aus? Und welche Spannungen und Widersprüche verbergen sich in Detroit hinter der vielleicht auch glorifizierten Rolle von KünstlerInnen und Kunst in der Stadtentwicklung?