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Artikel von:
Josef Kohlbacher
Ursula Reeger 

Josef Kohlbacher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, mit den Schwerpunkten Migrations- und Arbeitsmarktforschung.

Ursula Reeger forscht in den Gebieten Sozialgeografie und Migrationsforschung an der Österreichichen Akademie der Wissenschaften.

Artikel aus Ausgabe 2


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Substandard, Mietwucher und Segregation - Die Wohnsituation von AusländerInnen in Wien

Für das Zusammenleben von In- und AusländerInnen in Großstädten sind Segregations- und Konzentrationsprozesse typisch. Was ist unter (ethnischer) “Segregation” zu verstehen? Es handelt sich um das Ausmaß der ungleichen Verteilung einer Bevölkerungsgruppe über Teilgebiete eines Gesamtgebiets. Die ausländische Wohnbevölkerung in Wien verteilt sich nicht gleichmäßig über den Stadtraum. Sie konzentriert sich besonders in einigen Bezirken und hier wieder in bestimmten Zählbezirken, Baublöcken und Wohnhäusern. Das segregierte Wohnen von MigrantInnen hat vielerlei Ursachen: die Unzugänglichkeit von Teilen des Wohnungsmarktes, hohe Mieten, Vorurteile seitens vieler VermieterInnen usw. Die sichtbaren Folgen zeigen sich räumlich in Form von benachteiligten Stadtteilen. Nicht selten wird ein “Gemeinschaftsgefühl” der ZuwanderInnen, d.h. ein Bestreben mit Landsleuten zusammenzuleben, für ihr konzentriertes Wohnen verantwortlich gemacht. Dies mag ebenso wie die Wohnungsvermittlung über ethnische Netzwerke zwar eine Rolle spielen, es sind aber vielmehr ökonomische Zwänge seitens der Aufnahmegesellschaft – in erster Linie die Verfügbarkeit billiger Wohnungen – wodurch Segregation hervorgerufen wird.
In der Frühphase der “GastarbeiterInnen”-Migration war völlige Segregation der ausländischen ArbeiterInnen in Werksunterkünften die Regel. In den 70er-Jahren begannen die “Gastarbeiter” allerdings ihre Familien nachzuholen. Für die Mehrzahl bestanden Zugangschancen nur zu den damals noch zahlreichen Substandardwohnungen im Altbaubestand der Gründerzeit in den traditionellen Arbeitervierteln. Es entstanden “AusländerInnenhäuser”, die von marginalisierten InländerInnen sowie von AusländerInnen bewohnt wurden. In der Folge entwickelten sich in Wien auch so genannte “AusländerInnenbezirke”. Das nun engere Zusammenleben schuf aber auch Konflikte.
Aus räumlicher Sicht stellen hohe Wohnkonzentrationen von AusländerInnen in Wien besonders ein “Gürtelphänomen” dar. Im Verlauf der 80er- und 90er-Jahre war eine Verstärkung der ethnischen Segregation in den Stadtteilen entlang des Gürtels (Bezirke 10, 12, 15, 16, 17) festzustellen. Die ausländische Wohnbevölkerung konzentrierte sich 1996 in einer von Währing und großräumig über Hernals und Ottakring bis in den 15. Bezirk reichenden Zone. Es handelt sich hierbei um Stadtteile, deren Bausubstanz vor allem aus der Hochgründerzeit stammt. Die AusländerInnenanteile in diesen Gebieten, vor allem in Zählbezirken, in denen auch der Anteil an Kategorie-D-Wohnungen noch immer sehr hoch (über 25 %) ist, lagen zum Teil bei über 36 %. Weitere Zonen mit hohen AusländerInnenanteilen sind in den gürtelnahen Bereichen des 12. Bezirks, innerhalb des Gürtels in großen Teilen Margaretens, in den nördlichen und noch gürtelnahen Zählbezirken von Favoriten, in Teilgebieten der Brigittenau zwischen Donaukanal, Augarten und Frachtenbahnhof Nordwestbahnhof, sowie in Teilen des 2. Bezirks (vor allem in den dichtverbauten gründerzeitlichen Arealen zwischen Augarten und Praterstraße) lokalisiert. Kleinräumigere Zusammenballungen von Baublöcken mit hohen ImmigrantInnenanteilen finden sich auch im 11., 12. und 23 Bezirk, jedoch kaum in den Stadtteilen jenseits der Donau. Große Teile des Wiener Stadtraumes weisen nur sehr geringe AusländerInnenanteile auf. Dies ist vor allem in den “Nobelbezirken” 13, 18 und 19 der Fall, weiters in Teilen des 17. Bezirks und in Gebieten, in denen Gemeinde- oder Genossenschaftswohnbauten vorherrschen.
Die hohe räumliche Korrelation von überalterter und schlechter Wohnbausubstanz sowie ausländischer Wohnbevölkerung weist auf das Wirken von “Filterprozessen” hin. Inländische Mittelschichtbevölkerung zieht in Neubauten mit höherer Wohnqualität an die Stadtränder, Zuwanderer rücken nach, die in Nachbarschaft mit RentnerInnen, sozial Schwachen und StudentInnen leben. Es muss aber betont werden, dass die Wiener Situation durch das weitgehende Fehlen von Ghettos und Slums gekennzeichnet ist. Zwar existieren Baublöcke, in denen ZuwanderInnen die Mehrheit stellen, ebenso Stadtviertel, in denen sich ein vielfältiges Spektrum an ethnischer Infrastruktur herausgebildet hat, aber noch immer ist in Wiener Wohnhäusern das Zusammenwohnen von In- und AusländerInnen im Sinne eines Nebeneinander die Regel.
Die Segregationsmuster sind je nach Herkunftsgruppe sehr unterschiedlich ausgeprägt und werden in den Medien und in der politischen Diskussion auch sehr konträr bewertet. Die soziale Segregation von ElitemigrantInnen wie DiplomatInnen oder ManagerInnen in den Cottagevierteln Währings, Döblings und Hietzings ist kaum einer Diskussion wert. Im Gegensatz dazu gelten segregative Tendenzen bei MigrantInnengruppen, die eher der Unterschicht zuzurechnen sind, im Allgemeinen als “problematisch”.
Zum Vergleich seien die TürkInnen den meist statushohen MigrantInnen aus EU-Ländern gegenübergestellt. Die türkische Community zeigt ausgeprägte Segregationstendenzen. Sie konzentriert sich rund um den Augarten, zwischen dem Frachtenbahnhof Nordwestbahnhof und dem Handelskai, im Stuwerviertel und am Mexikoplatz. Hohe Anteile türkischer Wohnbevölkerung kennzeichnen die gürtelnahen Bereiche von Hernals und Ottakring, den 15. Bezirk, die daran anschließenden Teile des 12., den Großteil Margaretens (mit Ausnahme des Rings an Gemeindewohnhöfen am Gürtel) und Favoriten zwischen dem Gürtel und dem Südbahnhof. In niedrigeren Anteilen wird auch der ältere Baubestand der Bezirke 4, 6 und 7 von TürkInnen bewohnt. Ihre Wohngebiete sind weitgehend mit dem Bestand an hochgründerzeitlichen Massenwohnbauten ident. Die Zuwanderung von EU-BürgerInnen (Stand 1996: 21.829 Personen, davon 10.709 Deutsche) stellt ein Mittel- bzw. Oberschichtphänomen dar. Sie schätzen sowohl die stadtnahen, verkehrsmäßig günstig gelegenen Stadtbezirke als auch das Wohnen im Grünen, in der Wiener Einfamilienhaus- und Villenperipherie. Dies spiegelt sich im räumlichen Verteilungsmuster der Wohnstandorte wider. EU-AusländerInnen siedelten sich vor allem im Stadtzentrum sowie in den Bezirken innerhalb des Gürtels, vom 9. bis in den 3., weiters im 2. und außerhalb des Gürtels in den Villenvororten Döbling, Währing und Hietzing und im Westen des 23. Bezirks an. Die alten Arbeiterbezirke, sind als Wohngebiete für EU-Bürger unattraktiv.
Bezogen auf das gesamte Wiener Stadtgebiet liegt der Segregationsindex der ausländischen Wohnbevölkerung auf der Bezirksebene derzeit bei 20,8 , auf der Zählbezirksebene bei 29,6 auf der Zählgebietsebene bei 36,6 und auf der Baublockebene bei 43,8. Ein wichtiges Merkmal der Wohnsegregation von Immigranten in Wien ist deren Kleinräumigkeit. Die Ursachen dafür liegen in der Wohnungsstruktur, in einer für die Wiener Bevölkerung charakteristischen Immobilität3 sowie im bis vor wenigen Jahren grassierenden “Ablöseunwesen” im Mietwohnungssektor. Dadurch sind die Wegzugsreaktionen der InländerInnen auch in Häusern mit höheren Ausländeranteilen schwächer ausgeprägt als in anderen Ländern. Die Wohnsegregation von AusländerInnen in Wien tritt vor allem haus- und baublockweise in Erscheinung, in geringerem Ausmaß auf Stadtteil- oder Viertelsebene. Es existieren zwar Bezirke, die das Stigma des “Ausländerbezirks” (5, 15., 16., 17., in geringerem Ausmaß 10., 12., und 20. Bezirk) tragen, aber selbst im 15., dem Bezirk mit dem höchsten Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung, lag dieser 1996 bei nur 33,5 % (Wohnbevölkerung insgesamt: 74.498; AusländerInnen: 24.957). Ein wesentlicher Unterschied zu amerikanischen Städten besteht darin, dass sich bis dato keine ethnischen Viertel gebildet haben.
Die Wiener Wohnbaupolitik der 80er und 90er-Jahre war durch mehrere Kurswechsel gekennzeichnet: Zunächst erfolgte – ausgehend von der Stadterweiterung “auf der grünen Wiese” – ein Wechsel zur Stadterneuerung. Sodann wurde im Stadtentwicklungsplan 1994 (STEP 94) erneut eine Stadterweiterungsstrategie mit einer starken Neubauleistung verfolgt. Diese wurde bald wieder aufgegeben, da sich aufgrund der Zuzugsbeschränkungen im Gefolge des neuen Ausländeraufenthaltsgesetzes die bevölkerungsmäßigen Wachstumsprognosen nicht bestätigten. Es erfolgte ein Schwenk zur Verdichtung (inneren Stadterweiterung). Für die Wohnsituation der MigrantInnen besonders wichtig war das Wegbrechen des billigen Wohnsegmentes der Substandardwohnungen infolge flächenübergreifender Stadterneuerungsmaßnahmen.
Die Kommunalpolitik beeinflusst den Wohnungsmarkt nachhaltiger als den Arbeitsmarkt, da sich die Wohnungspolitik auch viel stärker im direkten Einflussbereich der Städte befindet. Ein wesentliches Kennzeichen des Wiener Wohnungsmarktes ist seine Segmentierung. Die einzelnen Segmente weisen unterschiedliche Zugangsbestimmungen auf. Manche sind für MigrantInnen offen, andere sind ihnen unzugänglich.
Ein wichtiges Wohnungsmarktsegment stellen “Gemeindewohnungen” dar. 31 % der WienerInnen bewohnen solche, womit die Gemeinde Wien der wichtigste Wohnungseigentümer der Stadt ist. Gemeindewohnungen weisen in der Regel leistbare Mieten auf. Sie stehen sozial schwachen Gruppen offen, nicht aber Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Das für ZuwanderInnen wichtigste Wohnungsmarktsegment umfasst Mietwohnungen, von denen ein Großteil in der Spätgründerzeit errichtet wurde. Rund 28 % der Wiener Bevölkerung leben in solchen Wohnungen. Keine Bevölkerungsgruppe ist vom privaten Mietwohnungssektor a priori ausgeschlossen.
Von einer Angleichung der Wohnverhältnisse der in Wien lebenden AusländerInnen an die Standards der österreichischen Bevölkerung kann bis heute keine Rede sein. Innerhalb des Mietwohnungsbestandes konzentrieren sich ZuwanderInnen auf das schlechteste Segment. Gravierende Probleme der Wohnungsversorgung von MigrantInnen in Wien sind der bauliche Zustand der Wohnungen (und Wohnhäuser), die Kleinheit der Wohneinheiten, die hohe Belegungsdichte sowie der niedrige Standard (z.B. das Fehlen sanitärer Einrichtungen). Verschärft wird das Problem unzureichender Wohnungsgrößen durch neue aufenthaltsrechtliche Vorschriften, die eine “inländerortsübliche Unterkunft” (Aufenthaltsgesetz §5 Abs. 1) fordern, wobei die MA 62 in dieser Hinsicht bei Erst- und Verlängerungsanträgen strenge Maßstäbe anlegt. Vor allem bei Familien mit schulpflichtigen Kindern wird behördlich eine Mindestanzahl von Räumen bzw. werden vom Wohnraum getrennte Schlafräume verlangt. Diese Praxis wirkt sich auf die Betroffenen in der Regel ungünstiger aus als die früher gehandhabte 10-m2-Wohnraum-pro-Person-Regel.
Vor allem MigrantInnen aus traditionellen “GastarbeiterInnen”-Ländern, aber auch SchwarzafrikanerInnen, AsiatInnen und zum Teil auch Ostmittel- und OsteuropäerInnen müssen in der Bundeshauptstadt trotz höherer Wohnkosten nach wie vor unter viel schlechteren Wohnbedingungen leben als inländische Haushalte. Rund 42 % aller in Wien lebenden AusländerInnen bewohnen Wohnungen ohne Badezimmer und Zentralheizung, während 70 % der ÖsterreicherInnen über Badezimmer, WC und Zentralheizung verfügen. Pro Kopf stehen AusländerInnen im Durchschnitt 21 m² Wohnraum zur Verfügung, InländerInnen hingegen rund 35 m². MigrantInnen zahlen aber dennoch ungleich höhere Mieten pro Quadratmeter. Als illustratives Beispiel sei die Wohnsituation der Wiener TürkInnen angeführt: 35 % von ihnen bewohnen Wohnungen der Kategorien C bzw. D, 94 % müssen mit Wohnungsgrößen von lediglich ein oder höchstens zwei Zimmern vorlieb nehmen. Der durchschnittliche Mietaufwand für Altbauwohnungen der Kategorie A betrug 1993 in Wien für türkische MieterInnen 64,7 öS, für ÖsterreicherInnen nur 41,2 öS; bei Kategorie-D-Wohnungen lagen die Mietpreise bei 41,6 öS für TürkInnen gegenüber 32,3 öS für InländerInnen. Angesichts der durchschnittlich größeren türkischen Haushalte sind deren Wohnungen auch durch eine deutlich höhere Belegungsdichte gekennzeichnet.
MigrantInnen fühlen sich durch InländerInnen in Wien am stärksten auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert, wobei in erster Linie die TürkInnen von häufigen Diskriminierungserfahrungen berichten. Die Schlechter- und Unterversorgung von ZuwanderInnen mit Wohnraum stellt ein sozial- und wohnungspolitisches Problem dar und trägt langfristig auch ein gesellschaftspolitisches Konfliktpotential in sich. Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieses Problem mittelfristig von selbst lösen wird, da gerade Verhältnisse im Wohnbereich eine hohe Stabilität aufweisen. In einzelnen deutschen Städten (z.B. in Berlin) versuchten die Kommunalverwaltungen den weiteren Zuzug von AusländerInnen in Wohnvierteln mit bereits hohen ZuwanderInnenanteilen zu verhindern. Diese Strategien gehen von der Annahme aus, dass hohe AusländerInnenanteile die Verslumung von Gebieten fördern. Häufig ist jedoch das Gegenteil der Fall. Der Zustrom von MigrantInnen in bestimmte Bezirke ist nicht die Ursache, sondern die Folge der Ballung “abgewohnter” Wohnsubstanz.
Die mangelnde Integration von MigrantInnen im Wohnbereich ist in den letzten Jahren zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. In den gründerzeitlichen Wohnvierteln haben sich traditionell verschiedenste Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Freizeit etc.) überlagert. Im Zuge der Sanierung entstehen auch in Wien immer mehr funktional und sozial eindeutig definierte Räume. Diese Ausdifferenzierung sozialräumlicher Strukturen und die Trennung von Funktionen erschwert es vor allem den Neuzuwanderern sich “unterzumischen”, wie dies in den alten Vierteln noch möglich war. HÄUSSERMANN und OSWALD (1997: 17) sprechen bereits vom “Verlust der Integrationsfähigkeit der Stadt” als solcher.
In jüngster Zeit wird von Seiten der Stadt Wien zunehmend versucht, der ethnischen Segregation entgegenzuarbeiten. Dies geschieht einerseits in Form integrativer Wohnbauprojekte, in welchen ein Mix an in- und ausländischen BewohnerInnen bewusst geplant wird, andererseits wird auch ein stärkerer Zugang von ausländischen Familien zum genossenschaftlichen Wohnsektor propagiert. Beispielhaft seien an dieser Stelle das Wohn- und Kulturprojekt “Sargfabrik”, weiters das Projekt “Modell W.I.E.N” (“Wohnmodell Interethnische Nachbarschaft”), die Mietwohnungen auf dem Areal “In der Wiesen Nord” (XXIII. Bezirk), der so genannte “Langer-Block” in Hernals, das Kardinal-Franz-König-Heim in Wien XI, der “Globale Hof” in Liesing sowie das “2. Interkulturelle Wohnprojekt” in der Zwölfergasse (XV. Bezirk), in welchem die Wohnungsvergabe über den Wiener Integrationsfonds erfolgt, angeführt. Die Mehrheit der in Wien lebenden AusländerInnen ist allerdings nach wie vor auf den freien Wohnungsmarkt angewiesen. Integrative Wohnbauprojekte, so positive Impulse sie im Einzelnen auch aussenden mögen, können aufgrund ihrer begrenzten Aufnahmefähigkeit keine Lösung für das Wohnintegrationsproblem im großen Maßstab anbieten. In den letzten Jahren wurde die Umfunktionierung von ehemaligen Miet- in Eigentumswohnungen auch im gründerzeitlichen Baubestand immer populärer. Diese Wohnungen können von den jeweiligen (auch ausländischen) MieterInnen käuflich erworben werden.
Es wäre zu idealistisch anzunehmen, ethnische Segregation in einer verstädterten Gesellschaft völlig eliminieren zu können. Die viel diskutierte Öffnung der Gemeindebauten kann kein Allheilmittel für alle integrationspolitischen “Wehwehchen” in Wien sein. Ein Beitrag zur besseren Wohnungsmarktintegration könnte aber zumindest durch eine teilweise Öffnung durchaus geleistet werden. Wünschenswert wäre ein umfassendes wohnpolitisches Integrationskonzept. Dies vor allem auch angesichts der Tatsache, dass sowohl die Bundespolitik als auch die Wiener Kommunalpolitik in jüngster Zeit zunehmend den Slogan “Integration vor Neuzuzug” auf ihre Fahnen zu heften begannen. Von einer wirklichen Wohnintegration der ausländischen Bevölkerung Wiens kann derzeit noch nicht die Rede sein.
Man sollte die Augen aber auch nicht davor verschließen, dass Wohnsegregation gerade auch in den Metropolen “fortgeschrittener” Einwanderungsgesellschaften (wie in den USA oder Australien) nach wie vor ebenso existent ist wie in den Großstädten alter Kolonialmächte (Großbritannien, Frankreich) mit einer bereits langen Immigrationstradition. Und da sich die sozialen Schichten auch unter den InländerInnen segregieren, ist davon auszugehen, dass Wohnsegregation eine Konstante der städtischen Gesellschaft bleiben wird.