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Artikel von:
Christoph Laimer

Christoph Laimer ist Chefredakteur von dérive.

Artikel aus Ausgabe 18


dérive - Radio für Stadtforschung
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Editorial

Das vorliegende Heft ist wieder eine Sampler-Ausgabe, die diesmal sehr
unterschiedliche Blicke auf den Kosmos Stadt wirft.

Ulf Treger weist in seinem Artikel über Intimität, Gemeinschaftlichkeit und
Offenheit in einer elektronischen Stadt auf Aspekte hin, die in der
allgemeinen Angst vor Überwachung und Kontrolle gerne übersehen werden. So
bieten die Anwendungsmöglichkeiten von Mobiltelefonen für japanische
Jugendliche z.B. eine Chance „ihren Alltag und ihr soziales Netzwerk“ zu
organisieren und dabei „unabhängig vom restriktiven sozialen und räumlichen
Umfeld (...), unkompliziert und in Echtzeit eigene mobile Räume der
Intimität und selbstbestimmten Kommunikation“ aufzubauen. Treger stellt die
Frage, ob das dichotomische Modell Privatheit/Öffentlichkeit nicht bereits
obsolet geworden ist und plädiert für eine kritische Begleitung der und eine
aktive Einmischung in die „Entwicklung der verschiedenen, sich überlagernden
Räume einer elektronischen Stadt“.

Angelika Psenner analysiert in ihrem Artikel Parterre – Wechselwirkung
zwischen Erdgeschoß und Straßenraum in Wien die Misere der Erdgeschoßzone in
Wien. Durch die aufgrund des enormen Bevölkerungszuwachses extrem dichte
Verbauung in der Gründerzeit ist im Vergleich zu anderen Städten der
Lichteinfall im Parterre sehr gering. Die engen Straßen erlauben nur schmale
Gehsteige, die wiederum als öffentlicher Raum wenig attraktiv sind und die
Leute nicht zum Schlendern verleiten, sondern sie eiligen Schrittes
durchtreiben. Eine Benutzung des Parterres ist deswegen sowohl als Wohnraum
als auch als Geschäftslokal in den meisten Straßen unbeliebt. Eine
schreckliche Folge sind Kleinstgaragen, die sich in die Häuser graben.

Manfred Russo, diesmal in der Rolle eines ethnologisch informierten
Touristen, reiste ins Kathmandu des Jahres 2060 und verfasste einen
Reisebericht. Über Kathmandu und Nepal erfährt man abseits von
Bergsteigerheldentaten hierzulande nur sehr wenig. Das
gesellschaftspolitische Leben kann für die internationale Presse nur selten
Meldungen liefern, in letzter Zeit taucht noch am ehesten die maoistische
Guerilla auf, die ja sogar hierzulande auf einige hartnäckige
UnterstützerInnen zählen darf. Russo gewährt uns einen Einblick in
Architektur, Stadtplanung, Religion, Geschichte und Alltagsleben Kathmandus.

Benjamin Konrad und Maik Novotny haben mit den beiden (tschecho)slowakischen
Architekten Stefan Svetko und Ivan Matusik Interviews geführt und setzen
damit die lose Folge an Beiträgen über Bratislava in dérive fort. Das
seltsame Verhältnis zwischen Wien und Bratislava - die beiden Hauptstädte
liegen nur rund 60 km voneinander entfernt, trotzdem gab es seitens Wiens
bisher kaum ein Interesse an der Nachbarstadt - ist zwar immer noch
vorherrschend, das Interesse an der Architektur Bratislavas ist aber in
jüngster Vergangenheit merklich gestiegen. Konrad und Novotny fragen sich:
„(..) wo liegt zwischen erster Begeisterung seitens westlicher
ArchitekturtouristInnen wie uns und jahrelanger Erfahrung sozialistischer
Planungsrealität die objektive Qualität?“

Im Projektteil, der diesmal auch Cover und Backcover umfasst, werden das
Forschungsprojekt Dietzenbach 2030 – definitiv unvollendet, die
Veranstaltungsreihe firma raumforschung, das Center for Landuse
Interpretation und Two Fabulous Journeys of a Fabulous Duo vorgestellt.

Wie immer gibt es zahlreiche Besprechungen, Kolumnen und eine neue Folge in
Manfred Russos Serie Geschichte der Urbanität. Weiters hat sich eine neue
Rubrik namens Shortcuts/Raccourcis/Kurz eingeschlichen, in der künftig
Kurzmeldungen, Tipps und Hinweise zu lesen sind.

Der Schwerpunkt der nächsten Ausgabe trägt den schönen Titel „Wiederaufbau
des Wiederaufbaus“. Das Heft erscheint Anfang April.

Christoph Laimer