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Artikel von:
Michael Blum

Artikel aus Ausgabe 27


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Istiklal Allee (bis 2066)

Michael Blums Beitrag zu Geschichte(n) vor Or t, eine Ausstellung im öffentlichen Raum rund um den Volkertmark, ist Basis für sein Künstlerinsert in diesem Heft, das Sie auf den Seiten 33 bis 36 finden. Dabei hat der Künstler die Heinestraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk in Istiklal Allee umbenannt - in Anlehnung an die bekannte Geschäftsstraße in Istanbul. Zuvor hat Michael Blum jedoch genau die Geschichte dieser Straße erforscht. Dabei formulieren die verschiedenen Namen der Straße wie von selbst ein soziopolitisches Diagramm der Historie dieses Bezir-kes. Der neue Name eröffnet wiederum eine Differenz zum Faktum, dass diese Straße kaum in ihrem großzügigen Raum benützt wird, sondern eher still auf (migrantische) Impulse wartet.

Michael Blum wurde 1966 in Jerusalem geboren. Er studierte Geschichtswissenschaften und Fotografie in Paris, bevor er begann sich seiner künstlerischen Arbeit zu widmen. Diese ist immer von akribischer Recherche gezeichnet, dabei findet er (unentdeckte) Spuren zu (historischen) Tatsachen, die von ihm dann in einen neuen Kontext gesetzt werden. Bei Monument to the Birth of the 20th Century , als ein Beitrag zur Ausstellung im Linzer OK (Open House, 2004), ist Michael Blum von der Tatsache ausgegangen, dass Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler 1903/1904 dieselbe Schulklasse besucht haben. Daraus ist dann eine neue Form von „Mahnmal“ in Buchform entstanden, welches aus vie-len schriftlichen Statements diesem Zufall eine neue Qualität verleiht. Allerdings werden bei Michael Blum Fakten niemals polemisch verfälscht, sondern es sind vielmehr feine Verknüpfungen, über die die Betrachter fast spielerisch zu verdeckten oder verschütteten Realitäten geführt werden. Dabei wird die Recherche oft selbst zur spannenden Odyssee, wie er sie etwa bei der Suche nach dem Produktionsursprung seiner Nike-Schuhe im Video My Sneakers (2001) verfolgte.

Barbara Holub/Paul Rajakovics