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Artikel von:
Paul Rajakovics

Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien.

Artikel aus Ausgabe 39


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Catrin Bolt: Wahrnehmungsverschiebungen

Vor fast einem Jahr konnte Catrin Bolt den Wettbewerb Mahnmal für die Zwangsarbeiterlager St. Pölten-Viehofen unter 164 TeilnehmerInnen ex aequo mit Tatiana Lecomte für sich entscheiden. Die Umsetzung dieses Projektes soll durch Kunst im Öffentlichen Raum Niederösterreich und die Stadt St. Pölten noch in diesem Jahr erfolgen. Orientierungstafeln, die im jetzigen Freizeitareal aufgestellt werden, zeigen dann die Gegend aus der Vogelperspektive, allerdings auf einem Foto aus dem Jahr 1945, auf dem die zwei Zwangsarbeiterlager zu sehen sind. Durch die Kombination des auf den Ort abgestimmten Mediums mit der historischen Darstellung des Ortes eröffnet sich eine Perspektive, die das nicht mehr Sichtbare und Vergessene wahrnehmbar macht.

Zugänge dieser Art bestimmen sehr häufig die Arbeit von Catrin Bolt, die im Spannungsfeld zwischen Fotografie und Objekt tätig ist. Den Objekten wird durch fotografisch motivierte Darstellungs- und Wahrnehmungsverschiebungen eine aktive und neue Rolle zugeschrieben. Dabei bekommt das fotografierte Objekt durch ganz einfache Mittel, wie Blickpunkt und Bildwinkel, einen neuen inhaltlichen Kontext. So hat Catrin Bolt beispielsweise 2005 in Georgien Alltagsgegenstände und Möbel in verschiedenen Landschaften inszeniert, so dass aus ihnen Skulpturen geworden sind. Es handelt sich dabei jedoch weder um klassische Skulpturen im Sinne der New Yorker 1960er Jahre noch um Readymades, wie dies die Objekte selbst suggerieren. Vielmehr ist es der gewählte Standpunkt, der eine neue Art von Skulptur produziert.

Für das Kunstinsert dieser dérive-Ausgabe hat Catrin Bolt in Paris eine Serie von Fotoarbeiten erstellt, die sich thematisch der Architektur annähert. Oft haben Gebäude eine besondere Anziehung, wenn man nicht gleich erahnt, welche Funktion sie tatsächlich haben – es entsteht eine Offenheit, die ihnen eine Chance gibt als unabhängiges Objekt zu bestehen. Mit dem Titel MoMA-Series beschreibt Catrin Bolt diese jedoch als Museen Moderner Kunst. Zurzeit arbeitet Bolt in Odessa und Sydney an einer Ausstellung mit dem Titel Thema verfehlt für den Kunstraum Lakeside in Klagenfurt, die am 19.5.2010 eröffnet wird.