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Artikel von:
Benjamin Kasten
Ricarda Pätzold 
Nikolai Roskamm 
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Benjamin Kasten, Student der Stadt-und Regionalplanung und Mitglied bei Raumtaktik (www.raumtaktik.de)

Ricarda Pätzold, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am FG Ökonomie des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin sowie Mitarbeiterin bei adrian.mehling.prozessnavigation (www.prozessnavigation.de)

Nikolai Roskamm, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FG Bestandsentwicklung des Instituts für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin und Mitglied bei www.urbanophil.net

Artikel aus Ausgabe 43


dérive - Radio für Stadtforschung
Jeden 1. Dienstag im Monat um 17.30 Uhr auf Radio Orange FM 94.0 oder Livestream http://o94.at
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Das Dong Xuan Center in Berlin Lichtenberg. Die räumliche Repräsentation einer ethnischen Ökonomie im Konflikt mit der administrativen Stadtplanung.

In Lichtenberg, einem Bezirk im Osten von Berlin, ist in den letzten Jahren nahezu unbemerkt das Dong Xuan Center, der größte Asiamarkt der Stadt entstanden. Das Center ist weit mehr als ein Ort des Handels, vielmehr avancierte es in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Orte für vietnamesisches Leben und Kultur in Berlin. Es befindet sich nördlich der Herzbergstraße auf einem Teil des so genannten Handelsdreiecks, eines riesigen und weitgehend brach gefallenen Industriegeländes, das vor 1989 u.a. das zentrale Großhandels- und Auslieferungslager der Hauptstadt der DDR beherbergt hatte. Wer die Herzbergstraße entlang geht, läuft Gefahr das Center zu übersehen. Einziges Indiz sind die an der Tram-Haltestelle in großer Zahl ein- und aussteigenden AsiatInnen. Der Zugang zum Gelände führt durch eine enge Einfahrt zwischen leer stehenden und mit Graffitis bedeckten Fabrikgebäuden 1. Optisch ist das Center von einer Frühlingswiese (vietn. Dong Xuan) weit entfernt, aber das passt zur relativen Unsichtbarkeit der migrantischen Wirtschaftsräume in Berlin. In der Stadt leben mehr Personen mit Migrationshintergrund 2 als in den neuen Ländern zusammengenommen, dennoch hat sich bisher keine räumliche Repräsentanz herausgebildet, die von ihrer Ausstrahlung an weltweit bekannte Quartiere wie Little Italy etc. erinnert 3. Bisher arbeiten nur die Kulturschaffenden der Stadt daran, diese Aufmerksamkeitslücke zu schließen. So war das Dong Xuan Center u.a. ein Ziel der Die große Geld oder Leben Tour 2009, veranstaltet von einem deutsch-türkischen Kulturprojekt aus Berlin Kreuzberg. Im November 2010 lud das Theater Hebbel am Ufer (HAU) zum Dong Xuan Festival. Vietnamesen in Berlin ein 4. Das sind kleine Schritte, aber insgesamt ist das Thema Räumliche Repräsentationen von ethnischen Gruppen in der stadtpolitischen Wahrnehmung noch zu gering vertreten.
Das Dong Xuan Center wurde weitgehend ohne Beteiligung der administrativen Stadtplanung entwickelt und befindet sich heute im Konflikt mit den offiziellen Planungen des Bezirks und des Landes Berlin. Der Artikel reflektiert die Geschichte des Dong Xuan Centers und arbeitet heraus, worin Konfliktlinien zwischen dem ungeplanten Projekt und der offiziellen Planung im Detail verlaufen. Damit soll zum einen ein Blick auf ein bisher eher unbekanntes Stück Stadt geworfen werden. Zum anderen soll diskutiert werden, ob das Dong Xuan Center selbst das (stadtplanerische respektive städtebauliche) Problem darstellt, oder ob das Beispiel nicht viel mehr systemimmanente Schwächen der administrativen Stadtplanung aufdeckt.

Den kompletten Artikel gibt es in der Printversion von dérive 43.